Üba bisorgde Bürga und dih Mainungsvreiheid

Hallo liebe Blog-Gemeinde. Meinungsfreiheit ist toll. Meinungsfreiheit ist wichtig. Meinungsfreiheit tut manchmal auch weh! Und das bringt mich zu meinem heutigen Thema: Meinungsfreiheit im digitalen Zeitalter der anonymen Massenkommunikation unter Berücksichtigung sozio-kultureller Befindlichkeiten und unter Beachtung der allgemeinen Schulpflicht. So … oder so ähnlich … wird ein Master-Student das Thema in seiner Hausarbeit benennen. Ich sage nur kurz: Üba bisorgde Bürga und dih Mainungsvreiheid.

Die Überschrift meiner heutigen Botschaft ist nicht im Suff entstanden, sondern ein kleiner Versuch, Auswüchse der Meinungsfreiheit im digitalen Zeitalter plastisch darzustellen.

Im Internet – bei Facebook, in Foren, als Kommentare – kursieren gerade Meinungsabsonderungen, die dermaßen absonderlich sind, dass ich mich frage, ob da wirklich Menschen sitzen oder ob Facebook gerade eine chinesische App für automatisierte Kommentare durch künstliche Intelligenz testet und dabei Google Translator nutzt.

Nehmt zum Beispiel die – es fällt mir schwer, Meinungsäußerung zu schreiben – nehmt also die im Internet kursierende sehr subjektive Auffassung, dass Flüchtlinge den Deutschen die Arbeit wegnehmen und damit die Situation der 30 Mio. Arbeitslosen in Sachsen weiter verschlimmern. Das ist jetzt nicht wörtlich wiedergegeben. Ich wollte aber nicht mühsam die ganzen Fehler abtippen.

Diese Auffassung hat bei mir einige Fragen aufgeworfen:

  • Weiß der Urheber, wie groß Sachsen ist, wo es liegt und wie viele Einwohner dort leben?
  • Welche Quellen nutzt der besorgte Bürger für seine gewagte These?
  • Hat er seine eigene Erfahrung (ich bin arbeitslos und neben mir wohnt ein Flüchtling) an allen zehn Fingern hochgerechnet?
  • Wie ist es dem Urheber gelungen, die allgemeine Schulpflicht zu umgehen?

Jedenfalls zeigt dieses Beispiel, dass a) Meinung nicht zwingend etwas mit Wissen zu tun hat; b) Meinungsfreiheit manchmal weh tun kann.

Euer Paul,
der noch einen kleinen Tipp hat: Wer schon nicht sein Gehirn einschaltet, sollte zumindest die automatische Rechtschreibprüfung aktivieren.